Die Ankündigung von Sanierungsarbeiten an seiner Wohnung bzw. am gesamten Haus war für einen Mieter ein Schock, denn seine monatlichen Zahlungen sollten anschließend von 754 Euro auf 1.267 Euro steigen. Er hielt das für einen nicht mehr zumutbaren Härtefall einer Luxussanierung, die eindeutig darauf abziele, ihm das weitere Wohnen in dem Objekt unmöglich zu machen. Doch die konkreten Arbeiten – Einsetzen von Isolierglas im Zuge eines Fensteraustausches, Bau eines Außenaufzuges, Anschluss an die Zentralheizung, Verlegen dreiadriger Stromleitungen unter Putz – betrachtete das zuständige Gericht nicht als unzumutbar. Wenn sich der Eigentümer an gewisse Vorgaben halte, dann sei das gestattet. Dazu zählten eine Ankündigung der Arbeiten mindestens drei Monate vor Baubeginn und eine stichwortartige Beschreibung der beabsichtigten Änderungen. Eine maximal nötige zehntägige Abwesenheit des Mieters (bei Übernahme der Kosten für eine Ersatzunterkunft) sei zumutbar (Amtsgericht München, Aktenzeichen 453 C 22061/15).

Quelle: Infodienst Recht+Steuern der LBS

 

Wenn ein Grundstückseigentümer einen Handwerksbetrieb beauftragt, dann muss er im ungünstigsten Falle für Schäden haften, die als unmittelbare Folge aus diesen Arbeiten am Nachbarhaus entstanden sind. So entschied es ein Zivilsenat der höchsten deutschen Revisionsinstanz.

Der Fall:
Ein Hausbesitzer ließ das Flachdach seiner Immobilie reparieren. Offiziell beauftragt war damit eine Handwerksfirma mit entsprechender fachlicher Eignung. Unter anderen mussten Heißklebearbeiten durchgeführt werden. Unter den Dachbahnen war allerdings unbemerkt ein Glutnest entstanden, das schließlich für einen Brand sorgte. Das Haus, an dem die Arbeiten durchgeführt worden waren, brannte vollständig ab. Am Nachbarhaus entstand ein Schaden in Höhe von knapp 100.000 Euro. Diesen forderte die Versicherung der Nachbarn vom Auftraggeber, zu dessen großem Pech vom eigentlich verantwortlichen Handwerker wegen einer Insolvenz nichts zu holen war.

Das Urteil:
Der Bundesgerichtshof wandte sich gegen die Entscheidung der Vorinstanz, die keine Pflicht des Hauseigentümers zum Schadenersatz gesehen hatte. Die Juristen betonten, von einem nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch sei nach ständiger Rechtsprechung des Senats auszugehen, wenn von einem Grundstück im Rahmen privatwirtschaftlicher Benutzung rechtswidrige Einwirkungen auf das Nachbargrundstück ausgingen, die der Nachbar selbst gar nicht abwehren könne. Dabei spiele es im konkreten Fall keine Rolle, ob der Handwerker sorgfältig ausgewählt worden sei oder nicht (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen V ZR 311/16).

Quelle: Infodienst Recht+Steuern der LBS

Wenn ein Mieter Mängel am Mietobjekt geltend macht, dann hat der Eigentümer das Recht, sich über den tatsächlichen Zustand der Immobilie kundig zu machen. In der Regel muss es der Mieter zulassen, dass der Eigentümer einen Beauftragten seiner Wahl dazu entsendet.

Der Fall: Ein Mieter beschwerte sich über verschiedene, überwiegend kleinere Mängel innerhalb seiner Wohnung und forderte deren Beseitigung. Für den geplanten Besichtigungstermin akzeptierte er allerdings weder eine Vertraute des Eigentümers noch dessen Rechtsanwalt. Er vertrat die Meinung, entweder müsse sein Vertragspartner persönlich erscheinen oder einen Fachhandwerker schicken, der die vorliegenden Probleme sachkundig beurteilen könne. Den Beauftragten des Eigentümers verwehrte er den Zugang zur Wohnung – und zwar auch nach einer entsprechenden formellen Abmahnung. Wegen dieser Verweigerungshaltung wurde dem Mieter schließlich fristlos gekündigt.

Das Urteil: Die Richter hielten die Kündigung für begründet. Ein Mieter müsse eventuell vorhandene „persönliche Abneigungen“ gegen Personen, die vom Eigentümer mit der Besichtigung betraut seien, hintan stellen und diese zum vereinbarten Termin einlassen. Grundsätzlich gelte: „Die Besichtigung von angezeigten Mängeln muss nicht durch den Vermieter persönlich erfolgen. Er kann hiermit Dritte beauftragten, deren Auswahl grundsätzlich ihm zusteht.“ Irgendeine Fachausbildung sei dazu nicht nötig (Landgericht Berlin, Aktenzeichen 63 S 316/16).

Quelle: Infodienst Recht+Steuern der LBS

 

Mit unserem Sparkassenkalender 2018 mit dem Titel „Witten. Natürlich.“ laden wir Sie – Monat für Monat – ein, die natürlichen Seiten unserer Heimatstadt zu entdecken. Und davon gibt es einige! Schauen Sie doch einfach selbst.

April: Die Wiese lebt – das Wittener Muttental

In der sanft hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft des Muttentals sagen sich noch Fuchs und Hase gute Nacht. Hier spähen über offenen Feld- und Wiesenflächen Mäusebussard, Turmfalke, Rotmilan und Uhu nach Beute. Im Frühjahr sind Hummeln, Zitronenfalter und Co. zwischen Löwenzahn und Wiesenschaumkraut auf der Suche nach frischem Blütennektar. Auch Fledermäuse erwachen aus ihrem Winterschlaf und machen in der Dämmerung hungrig Jagd auf Insekten. Frische Gräser und Wildkräuter sprießen dort, wo einst nach Kohle gegraben wurde. Es ist kaum vorstellbar, dass hier in der Wiege des Ruhrbergbaus, wo die Flöze an der Erdoberfläche ausstreichen, mehr als 60 Kleinzechen in Betrieb waren. Die Relikte der industriellen Tätigkeit können Besucher auf dem bergbauhistorischen Wanderweg durch das Muttental entdecken. Längst hat die Natur die Bergbauregion südlich der Ruhr zurückerobert: Wälder, Wiesen und Felder prägen das heutige Landschaftsbild. Die landwirtschaftlichen Flächen sind zum Großteil verpachtet und werden extensiv genutzt. Landwirtschaft mit Viehhaltung findet nur noch vereinzelt statt.

Auf den zum Teil feuchten Wiesen rechts und links des Muttenbachs hat sich eine vielfältige Vegetation entwickelt, die zahlreichen Tieren Nahrung und Versteck bietet. Dort fühlt sich auch das zugewanderte Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) wohl, das sich übermäßig stark ausbreitet und andere Pflanzenarten verdrängt. Die wegen ihrer hübschen pinkfarbenen Blüte auch als Emscherorchidee bezeichnete Pflanze schleudert ihre Samen bei Berührung der Samenkapsel meterweit fort und lässt jedes Jahr viele neue Exemplare gedeihen. Die Bienen freuen sich über die späte Blütentracht im August. Wiesen und Weiden sind Lebensräume, die seit Jahrtausenden durch den Menschen geschaffen und erhalten werden.

Eine Wiese entsteht durch Mähen, zum Beispiel zur Erzeugung von Heu, eine Weide durch das Grasen von Tieren. Ohne regelmäßige Mahd oder Beweidung einer Fläche würde es schnell zur Verbuschung und anschließenden Waldentstehung kommen. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass ganz Mitteleuropa vor dem Einwirken des Menschen eine reine Waldlandschaft war. Erst durch Rodung während geschichtlicher Besiedlungs- und Kulturphasen wurde Wald in Grünland, Acker- oder Siedlungsland umgewandelt. In unserer heutigen Kulturlandschaft gibt es verschiedene Wiesentypen wie Blumen-, Feucht- oder Fettwiesen, Streuobstwiesen oder auch Mager- und Trockenrasen. Jeder Wiesentyp bietet anderen Tier- und Pflanzenbewohnern einen speziellen Lebensraum.

Feldhase (Lepus europaeus)
Der Feldhase gilt als Symbol für Frühling und Fruchtbarkeit. Doch seit den 1960er-Jahren nimmt sein Bestand vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft stark ab. Insbesondere der massive Einsatz von Dünger und Pestiziden, der intensive Maschineneinsatz sowie fehlende Saum- und Krautfluren machen dem Feld- und Wiesenbewohner zu schaffen. Feldhasen legen im Gegensatz zu Kaninchen keine Baue an, sondern liegen tagsüber meist regungslos und gut getarnt zwischen Grasbüscheln in einer Mulde (Sasse). Hier wachsen auch die Jungtiere auf. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind Vegetarier und fressen gerne Gras und Wiesenkräuter. Mit ihren langen Ohren (Löffeln) können sie sehr gut hören. Bei Gefahr schlagen sie
„Haken“, laufen bis zu 80 Stundenkilometer schnell und springen bis zu sieben Meter weit. Im Frühjahr während der Paarungszeit versammeln sich mehrere Männchen und Weibchen auf Wiesen und Feldern, um einen Partner zu suchen. Feldhasen können bis zu zwölf Jahre alt werden.

Tipp
Zur aktiven Unterstützung bei der Wiesenmahd lädt die Naturschutzgruppe Witten (NaWit) Erwachsene und Kinder jeweils am ersten Samstag im Juli, August und September ein. Um dem Boden überflüssige Nährstoffe zu entziehen, Pflanzen neue Wachstumsbedingungen zu ermöglichen und die Artenvielfalt zu fördern, führt die NaWit ehrenamtlich diese Pflegearbeiten auf den von ihr betreuten Flächen durch. Dabei werden die Wiesen mit einem Balkenmäher von Hand gemäht und das Mähgut wird zusammengeharkt. (www.nawit.de)

Ostereier mit Wiesenkräutern und Zwiebelschalen natürlich gestalten
Die Eier mit Essigwasser waschen (dadurch soll die Farbe besser haften). Zwiebelschalen in einen Topf geben, Wasser hinzufügen, aufkochen und mit geschlossenem Deckel ziehen lassen. Ein paar filigrane Kräuter von der Wiese holen, auf die Eier legen, mit einem Stück Nylonstrumpf umspannen und an der gegenüberliegenden Seite des Naturmotivs mit Garn fest zuschnüren. Die eingepackten Eier in den kochenden Zwiebelschalensud geben und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Wenn die Eier eine schöne rotbraune Farbe angenommen haben, herausnehmen, abschrecken und in ihrer Nylonschicht trocknen lassen. Den Nylonstoff vorsichtig aufschneiden und vom Ei ziehen.

Dieser Frage ging der S-Club, der Club der jungen Kunden der Sparkasse Witten, mit Bleistift, Kamera und Farbe auf den Grund. Hier bewiesen die Jugendlichen eine Menge künstlerisches Feingespür, eine ruhige Hand, viel Ausdauer und ein sehr gutes Auge.

Unter der professionellen Anleitung der Kunstwissenschaftlerin Christina Clever-Kümper ging es um das Thema Portätmalerei am Beispiel der Künstlerin Caroline von Grone. Ihre aktuelle Ausstellung im Märkischen Museum Witten führte den Jugendlichen vor Augen, wie sich mit wenigen, gezielten Pinselstrichen ein Porträt zeichnen lässt.

Da alle Theorie grau ist, versuchten sich die S-Clubber sofort an der praktischen Umsetzung. In Gruppen aufgeteilt und mit Skizzenblock, Stiften und Radiergummi „bewaffnet“, wurde der jeweilige Partner gekonnt zu Papier gebracht. Natürlich gab´s auf viele Fragen auch wertvolle Antworten und Tipps vom Kunst-Profi: Wie setzte ich Schattierungen richtig ein? Welcher Abstand muss zwischen den einzelnen Gesichtspartien liegen? Und warum sollte ich als Rechtshänder auch mal mit Links zeichnen? (Dieser Trick dient als Lockerungsübung, bei der man sich beim Zeichnen auf die wesentlichen Gesichtszüge konzentriert. Na, wer hätte das gedacht?;)

Nach der künstlerischen „Aufwärmphase“ hieß es dann: „Wer bin ich????- die Erstellung eines Selbstporträts“. Hierzu tauschten die S-Clubber Zeichenstift und Radiergummi gegen eine Digitalkamera und machten gegenseitige Porträtaufnahmen. Ausgedruckt, bestand die Aufgabe in der kreativen Umsetzung der eigenen Profile. Ob realistisch oder poppig-bunt: Der Phantasie waren hierbei keine Grenzen gesetzt. An diesem Nachmittag wurde viel ausprobiert, viel gemalt und gelacht und zu guter Letzt konnten alle ihre ganz persönlichen Werke mit nach Hause nehmen.

Übrigens: Der S-Club ist der kostenlose Club für unsere junge Kunden im Alter von 13 – 17 Jahren. Anmeldungen sind in jeder Sparkassengeschäftsstelle möglich.

Dass fast alles machbar (oder besser druckbar) ist, zeigte der 3-D-Druck Workshop des S-Clubs, dem Club für junge Kunden der Sparkasse Witten. In Kooperation mit der Bibliothek Witten, die über zwei hochleistungsfähige Drucker verfügt, war den technikbegeisterten Jugendlichen schnell klar, dass das zukunftsweisende 3-D-Druckverfahren eine rundum „heiße“ Sache ist. Und das nicht nur aufgrund der dabei erreichten Temperaturen von 215 Grad. Denn schließlich lässt sich mithilfe dieser innovativen Technik nahezu alles drucken. Ob mit Kunststoff, Metall oder sogar Schokolade: Diese Drucker kommen mit den unterschiedlichsten Materialien in vielen industriellen Bereichen zum Einsatz, da sich passgenau und individuell komplizierte Ersatzteile oder Produkte fertigen lassen.

Nach einer kurzen, theoretischen Einführung von Rabea Kammler (Bibliothek Witten) hieß es  dann für die S-Clubber: An die Drucker! Fertig! Los! Ob Star Wars-, Pokemon- oder Minecraft-Helden – der Fantasie waren bei diesem Workshop keine Grenzen gesetzt. Die Modelle wurden als Druckdateien hochgeladen, das Druckmaterial im Drucker erhitzt, und die Formen mit dem Druckkopf – Schicht für Schicht – erstellt. Hierbei war von allen Teilnehmern viel Zeit und Geduld gefordert. Mit den selbstgefertigten Kunstwerken und vielen neuen Eindrücken war nach zwei Stunden jedem klar: Diese neue Technik ist absolut zukunftsorientiert!

Unser Tipp: Wer auch einmal diese neue Technologie probieren möchte, kann nach vorheriger Anmeldung seine Entwürfe in der Bibliothek Witten ausdrucken. Die Nutzung der 3-D-Drucker ist kostenfrei.

Übrigens: Der S-Club ist der kostenlose Club für unsere junge Kunden im Alter von 13 – 17 Jahren. Anmeldungen sind in jeder Sparkassengeschäftsstelle möglich.

Besucher der Sparkassengeschäftsstelle Bommern können bis zum 06.04.2018 anlässlich einer Foto-Ausstellung faszinierende Landschaftsaufnahmen ihrer Region bewundern. Thomas Becker, „Ur-Bommeraner“, passionierter Fotograf und aufmerksamer Beobachter seiner Heimatstadt, hat für die Ausstellung „Witten im Winter“ beeindruckende Impressionen aus oder nahe seiner Heimat zusammengestellt.

Seit seiner Kindheit begeistert Becker die Fotografie, wobei es ihm ganz besonders die Natur- sowie die Makro-Fotografie angetan haben. Seit 2010 liegt sein Fokus auf der Digitalfotografie.

Speziell seine Heimatstadt Witten setzt er je nach Licht und Wetter gekonnt in Szene. Thomas Becker zeigt den Facettenreichtum dieser Region und lädt mit fotografischen Höhepunkten wie z.B. der Ruhrtalbahn, dem Berger-Denkmal oder auch dem Wasserturm den Betrachter zum Verweilen ein.

Die Ausstellung kann zu den angegebenen Öffnungszeiten besucht werden.

Sparkassengeschäftsstelle Bommern, Bodenborn 45, 58452 Witten, Telefon: 02302/174-60

Mo, Do 08.30-18.00 Uhr     Di, Mi, Fr 08.30-16.00 Uhr

 

(Foto: v.l.n.r.: Thomas Becker und Nils Hagenkötter, Leiter der Sparkassengeschäftsstelle in Bommern)

Mit unserem Sparkassenkalender 2018 mit dem Titel „Witten. Natürlich.“ laden wir Sie – Monat für Monat – ein, die natürlichen Seiten unserer Heimatstadt zu entdecken. Und davon gibt es einige! Schauen Sie doch einfach selbst.

März: Zeitzeugen der Natur – der Steinbruch Rauen

Im Erdzeitalter des Karbons, vor rund 300 Millionen Jahren, bedeckte ein tropisches Meer das Land an der Ruhr. Damals wurden feiner Tonstein, grobkörniger Schluffstein und Sandstein abgelagert. Auch Kohlenflöze, die sich aus pflanzlichen Ablagerungen gebildet haben, sowie Muschelabdrücke und Wurzelreste findet man in den tonigen Schichten. Sie weisen auf Ablagerungen durch Süßwasser hin. Der Rückgang des Meeres, das Abtragen von weichen Gesteinen durch Wind und Wasser und die Gebirgsfaltung haben die heutige Schichtlagerung entstehen lassen. Deutlich sind an der Felswand im Steinbruch Rauen die in Nordost-Südwest-Richtung schräggestellten Schichtfolgen aus Sandstein, Steinkohlenflözen und Tonstein bzw. Tonschiefer zu erkennen.

Durch den Steinbruchbetrieb am Wartenberg (Ecke Kohlensiepen/Wetterstraße) bis Mitte der 1960er-Jahre ist einer der bedeutendsten geologischen Aufschlüsse seiner Art im Ruhrgebiet freigelegt worden. Hier sind die Gesteinsschichten deutlich sichtbar und machen die erdzeitliche Entwicklung hautnah erlebbar. Neben einer Vielzahl geologischer Besonderheiten weist das 200 Meter mächtige Gesteinspaket auch Relikte des Steinkohlenbergbaus auf. In der Felswand gibt es zahlreiche Fossilien, beispielsweise die versteinerten Abdrücke von Wurzeln und Ästen urzeitlicher Pflanzen wie Baumfarne und Schachtelhalme, sowie Schichten ganzer Muschelbänke zu entdecken.

Seit 2006 ist der Steinbruch Rauen im Ardeygebirge Teil des Geoparks Ruhrgebiet und als Naturdenkmal geschützt. Nach dem Abbau, vor allem von Sandstein, diente das Gelände als Deponie für Bauschutt und schwermetallhaltige Hüttenschlacke vom benachbarten Edelstahlwerk. Nach aufwendiger Sanierung der vielgestaltigen Fläche ist der Zutritt zunächst nur bei Führungen erlaubt.

Während sich die urzeitliche Flora und Fauna des Standorts in zahlreichen Fossilien widerspiegelt, können im Steinbruch die heute hier vorkommenden Tiere und Pflanzen lebendig in ihrem nahezu ungestörten Lebensraum be obachtet werden. Felsbrütende Vogelarten wie der Uhu, wärmeliebende Reptilien wie Blindschleiche und Ringelnatter, Fledermäuse, zahlreiche Insekten und verschiedene Pflanzengesellschaften finden an diesem erdzeitlich historischen Ort geeignete Lebensbedingungen.

Fossilien
Das Wort Fossil entstammt dem lateinischen „fossilis“ − ausgegraben. Dieser Begriff bezieht sich im Allgemeinen auf die erhaltenen Spuren oder Überreste früherer Lebewesen, zum Beispiel in Form versteinerter Abdrücke von Pflanzenresten oder Schalen und Knochen von Tieren. Die meisten Fossilien findet man in Gesteinen, die früher einmal vom Wasser bedeckt waren.

In der Steinkohlenzeit, dem Karbon (vor 350 bis 285 Millionen Jahren), befand sich im Gebiet des heutigen Ruhrtals ein flaches Schwemmland mit artenreichen Sumpfmoorwäldern aus Schuppen- und Siegelbäumen, Baumfarnen und Riesenschachtelhalmen. Sie haben wesentlich zur Bildung der Steinkohlenwälder beigetragen. Einen Großteil der Sumpfwälder bildeten die Siegelbäume. Diese längst ausgestorbenen und baumförmig wachsenden Bärlapppflanzen waren über 30 Meter hoch. Sie besaßen bandförmige Blätter und siegelartige Blattpolster auf dem Stamm, die deutlich in fossilen Abdrücken erkennbar sind.

 

 

Tipp
Im Foyer des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall können Besucher die Ausstellung des Informationszentrums Geopark Ruhrgebiet besuchen. Hier sind auch Versteinerungen von urzeitlichen Bäumen aus dem Karbon zu besichtigen.

Fossiler Gipsabdruck eines Schachtelhalms

Der Ackerschachtelhalm zählt zu den heute noch lebenden Fossilien. In Verbindung mit Gips können wir den Abdruck eines 300 Millionen Jahre alten Ur-Schachtelhalms nachbilden.

Material: Ackerschachtelhalm, Gips, Wasser, Schuhkartondeckel, Holzstäbchen, eventuell Wasser- oder mineralische Farbe, Pinsel, Olivenöl. Gips mit Wasser nach Packungsangabe anmischen und in den Schuhkartondeckel füllen. Einen Ackerschachtelhalm in das noch weiche Material legen. Mithilfe des Holzstäbchens flach eindrücken und den Schachtelhalm zusammen mit dem Gips trocknen lassen. Die Gipsplatte dunkel anmalen und dem getrockneten Schachtelhalm mit Olivenöl Glanz verleihen.

Die Sparkasse Witten ist wohl als größtes Wittener Kreditinstitut auch der größte Wittener Arbeitgeber im Dienstleistungsbereich und hat einen entsprechenden Erfahrungsschatz, was erfolgreiche und nicht erfolgreiche Bewerbungen angeht. Deshalb bietet die Sparkasse  den zukünftigen Abgangsklassen der Realschulen und den gymnasialen Oberstufen als besonderen Service ein Bewerbungstraining an. Die Schüler starten so gut vorbereitet in die Bewerbungsphase um begehrte Ausbildungsplätze, weil sie lernen und verstehen, was ein Arbeitgeber – schon ab dem Bewerbungsschreiben – erwartet und wie er „tickt“.

Hier wird kein Theoriewissen durch Lehrer vermittelt. Ausbildungsleiterin Manuela Briele weiß, wovon sie spricht, wenn sie verbreitete Fehler in Bewerbungen aufzeigt oder mit pfiffigen positiven Beispielen motiviert. Es geht aber nicht (nur) um Bankkaufleute. Bewerbungsschreiben, Einstellungstests, Vorstellungsgespräche und schließlich die Bewerberauswahl haben überall eine vergleichbare, grundsätzliche Zielsetzung. Ein kleiner Handwerksbetrieb hat bestimmte ähnliche Erwartungen an seine Bewerber, auch wenn er keine Bewerber-Gruppengespräche durchführt und er die Eignung beim Vorstellungsgespräch abklopft.

Noch sehr gut an die eigenen Bewerbungsphasen können sich die Sparkassenauszubildenden erinnern, die Manuela Briele im Bewerbungsseminar unterstützen. Sie finden besonders schnell Zugang zu den zukünftigen Berufsanfängern. Sie sprechen die gleiche Sprache und stehen interessierten Schülerinnen und Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Nach ihrem Berufsstart wissen sie auch, warum Schulnoten für Arbeitgeber sicher eine erste Orientierung für die Auswahl sind, aber genauso „soft skills“ – wie Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, Eigeninitiative und gutes Allgemeinwissen – eine große Bedeutung haben.

Maunuela Briele; Ausbildungsleiterin der Sparkasse Witten, Telefon (02302)174-1302, E-Mail: manuela.briele@sparkasse-witten.de

Manuela Briele meint: „Wir geben unsere Erfahrungen mit und Erwartungen an Bewerbungen gerne weiter und sehen das als Verantwortung. Schließlich profitieren wir doch alle davon, wenn unsere Jugendlichen ihren passenden Beruf finden. Als Praktiker werden wir von den Jugendlichen, die plötzlich den schulischen Theoriemodus abschalten müssen, akzeptiert. Es tut gut zu merken, dass unser Versuch, ihnen in ihrer neuen Lebensphase zu helfen, so anerkannt wird.“

Weitere Infos zur Ausbildung bei der Sparkasse Witten gibt es unter http://bit.ly/2FMcnZQ

 

Mit unserem Sparkassenkalender 2018 mit dem Titel „Witten. Natürlich.“ laden wir Sie – Monat für Monat – ein, die natürlichen Seiten unserer Heimatstadt zu entdecken. Und davon gibt es einige! Schauen Sie doch einfach selbst.

Februar: Natur und Technik am Hammerteich

Ein Teich ist ein künstlich angelegtes Stillgewässer, das meist einen Zu- und Ablauf besitzt. Ein natürliches, stehendes Gewässer bezeichnet man als Weiher. Sowohl Teich als auch Weiher sind für Tiere und Pflanzen vor allem in Siedlungsbereichen äußerst wichtig und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen.

Noch bis zum 19. Jahrhundert hatten Teiche für die Speicherung von Trink- und Brauchwasser oder als Mühlenteich zum Betrieb von Wassermühlen zwecks Antrieb von Hammer-, Mahl- oder Sägewerken eine besondere Bedeutung. In Witten staute der Remscheider Fabrikant Peter Lange 1722 am Fuße des Hohensteins den Borbach, um mit der Wasserkraft am Auslaufkanal ein Hammerwerk zu betreiben. Das Werk wurde 1723 in Betrieb genommen und stellte Eisen für Schmiede und Schlosser her. Bis zu seiner Einstellung 1892 hatte es noch viele weitere Besitzer. Nachdem die Stadt Witten das Gelände des Hohensteins 1891 aufgekauft hatte, wurde der Hammerteich in die Stadtwaldanlagen einbezogen und dient seither ausschließlich der Erholung. 1924 wurde er zum Ausflugsziel ausgebaut und zählt bis heute bei Jung und Alt zu einem der beliebtesten Orte in Witten.

Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen der Stadt, den Hammerteich mit Damm, Teichmulde und Ablauf des Hammerwerks als technisches Bodendenkmal festzusetzen.

Zum Problem hat sich die zunehmende Verschlammung des Hammerteichs entwickelt, die durch Eintrag und Ablagerung organischen und mineralischen Materials wie Laub, Pflanzenresten und verfrachteten Sedimenten des durch den Teich fließenden Borbachs entsteht. Der zum Teil mit Schwermetallen belastete Schlamm kann das biologische Gleichgewicht des Teichs beeinträchtigen und den Sauerstoffgehalt des Wassers vermindern. Durch die Verschlammung ist die etwa 5.000 Quadratmeter große Wasserfläche des Hammerteichs bereits um ein Drittel geschrumpft.

Am und im Hammerteich leben zahlreiche Tiere wie Vögel, Amphibien, Fische, Libellen, Insektenlarven und andere Kleinstlebewesen. Sogar ausgesetzte Goldfische und Schmuckschildkröten, die die kalte Jahreszeit in einer Winterstarre überdauern, sind hier in den Sommermonaten beim Sonnenbaden zu beobachten. Mit etwas Glück entdeckt man am Zulauf des Borbachs in den Hammerteich einen schillernd blauen Eisvogel, der am Gewässer nach Beute jagt. Auch Graureiher und verschiedene Gänsearten besuchen den Hammerteich regelmäßig. Die zahlreichen Enten, überwiegend Stockenten, lassen sich zwar gerne von Spaziergängern füttern, was jedoch weder für die Gesundheit der Tiere noch für die Gewässergüte von Vorteil ist.

Ab April sind am Hammerteich abends übrigens Fledermäuse bei der Jagd auf Insekten zu beobachten.

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
Relativ häufig trifft man vom Frühjahr bis zum Herbst bei Einbruch der Dämmerung die Wasserfledermaus am Hammerteich. Auffällig sind ihre großen borstenbehaarten Füße und das wenig behaarte rotbraune Gesicht. Oft jagen mehrere Tiere gleichzeitig in geringem Abstand über der Gewässeroberfläche nach Zuckmücken oder anderen Wasserinsekten. Mit ihrer Ultraschall-Echoortung können sie sich perfekt orientieren. Auf dem Weg zu den Jagdrevieren nutzen die nachtaktiven Tiere bevorzugt lineare Strukturen als Leitlinien, so auch die Waldränder rund um den Hammerteich. An einzelnen Bäumen wurden spezielle Fledermauskästen angebracht, in denen die Tiere den Tag kopfüber hängend verschlafen. Natürliche Baumhöhlen sind nur noch selten im Wald bestand zu finden. Den Winter verbringen Fledermäuse im Winterschlaf, zum Beispiel in Felshöhlen, alten Gebäuden oder stillgelegten Bergwerksstollen. Im Siedlungsbereich sind während der Dämmerung gelegentlich auch Zwergfledermäuse zu beobachten.

Tipp: Die Naturschutzgruppe Witten – Biologische Station (NaWit) bietet regelmäßig im Mai und September Fledermausexkursionen am Hammerteich an, bei denen die Tiere unter fachkundiger Begleitung beobachtet werden können.

Bauanleitung Fledermauskasten

Anleitung zum Bau eines Fledermauskastens im Internet unter www.nabu.de/downloads/praxistipps/fledermauskasten.pdf

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Januar: Natur im Fluss – die Ruhr bei Witten

Foto: Stefan Ziese

Hoch über dem heutigen Wittener Stadtgebiet und dem Ruhrtal floss vor etwa 1,8 Millionen Jahren eine wilde und breite „Ur-Ruhr“. Den Beweis hierfür lieferten voreiszeitliche Ruhrschotter, die 80 Meter über der heutigen Talaue abgelagert wurden. Im Wechsel von Warm- und Kaltzeiten hat sich der Fluss über 100 Meter tief in den Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges eingesägt und hinterließ dabei charakteristische Spuren wie steile felsige Prallhänge, flache Gleithänge, eine breite Talaue und mehrere übereinanderliegende Flussterrassen. In weniger als tausend Jahren hat der Mensch die Landschaft an der Ruhr nachhaltig verändert. Bis zum frühen Mittelalter war die Ruhraue aufgrund der häufigen Überschwemmungen durch Hochwasser noch ohne nennenswerte Besiedlung oder landwirtschaftliche Nutzung. Der stark gewundene Fluss mit Altarmen und Nebengerinnen lag eingebettet in einen artenreichen Auenwald. Der Beginn des Kohlebergbaus und der Industrialisierung der Ruhrregion leitete Mitte des 18. Jahrhunderts die Ruhrschifffahrt ein, die eine Begradigung des Flussbettes und die Errichtung von Wehren und Schleusen erforderlich machte. Bereits um 1780 wies die Ruhr zwischen Witten und Ruhrort 16 Schleusen auf und war der am meisten befahrene Fluss Europas. Bis 1870 diente die Ruhr als Schifffahrtsweg für den Transport von Erz und Kohle. Während die Trinkwasserversorgung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durch Brunnen und öffentliche Zapfstellen geregelt wurde, reichte das anstehende Grundwasser mit Beginn der Industrialisierung und der wachsenden Bevölkerung nicht mehr aus. Der erhöhte Wasserbedarf machte schließlich die Nutzung von Flusswasser nötig. Mit dem industriellen Aufschwung kam es auch zur massiven Zunahme von Abwasser. Als im Jahr 1911 die untere Ruhr durch umfangreiche Wasserentnahmen vollständig trockenfiel und einer schwarzen stinkenden Kloake glich, setzte ein Umdenken ein. Der Bau von Talsperren sorgte für einen gleichmäßigeren Abfluss des Wassers. Auch die große Zahl von Kläranlagen verbesserte die Situation des Flusses deutlich.

Dass die Ruhr heute als Lebensraum für Mensch und Tier deutlich attraktiver geworden ist, verdankt sie der stark verbesserten Wasserqualität, Renaturierungsmaßnahmen und der Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Ihr Naherholungs- und Erlebniswert für Wanderer, Radfahrer und Wassersportler ist von größter Bedeutung. Viele Fischarten wie Hecht, Barsch, Aal, Wels, Zander, Karpfen, Brasse, Rotauge und Rotfeder finden im sauberen Ruhrwasser wieder gute Lebensbedingungen. Auch als Rastplatz, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet zahlreicher einheimischer und auswärtiger Vogelarten hat sich das Ruhrtal etabliert. Damit sich eine noch vielfältigere Natur und ein natürliches Flussbett entwickeln können, werden die Uferbereiche der Ruhr zwischen Witten und Wetter in diesem Jahr von großen Steinen und Ausbauten befreit und teilweise abgeflacht. So wird den Fischen ein besserer Laichgrund und Sumpfvögeln entsprechender Lebensraum geboten. Auch für den Hochwasserschutz ist die Renaturierung von Vorteil.

(Trink-)Wasser

Wasser ist unser wichtigstes Nahrungsmittel. Ohne Regen keine Trinkwasserversorgung, keine Landwirtschaft, keine Flüsse zum Gütertransport, keine Industrie. Die Ruhr versorgt mehr als 5 Millionen Menschen, Haushalte, Gewerbe- und Industriebetriebe mit Trink- und Brauchwasser und wird zur Energieerzeugung genutzt. Sie gehört heute zu den saubersten größeren Flüssen in Europa und verdankt dies der Tatsache, dass sie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum offiziellen Trinkwasserlieferanten des Ruhrgebiets erklärt und entsprechend konsequent vor Verunreinigungen geschützt wurde. Vor dieser Regelung war die Ruhr vor allem durch die Einleitung industrieller Abwässer ein stark verschmutzter Fluss. Heute wird unser Trinkwasser durch das Wittener Verbund-Wasserwerk, das von den Stadtwerken und der AVU betrieben wird, aus Grundwasser und dem Uferfiltrat der Ruhr gewonnen und aufbereitet. Bedenkliche Stoffe wie Medikamentenrückstände, Pflanzenschutz- oder Kontrastmittel werden durch UV-Bestrahlung und eine hochmoderne Ultrafiltrationsanlage herausgefiltert, bevor das gereinigte und unbedenklich trinkbare Wasser zu den Verbrauchern nach Witten und Wengern gelangt.

Tipp: Bei einer Fahrt auf der Ruhr mit dem Ausflugsschiff „MS Schwalbe 2“ oder zu Fuß auf dem Ruhrhöhenweg (XR) bzw. per Rad auf dem Ruhrtal- Radweg lässt sich die Ruhrnatur wunderbar erkunden.

Übrigens:  Die Diplom-Geografin und Vorsitzende der Naturschutzgruppe Witten „NaWit“, Birgit Ehses, hat mit großer Sachkenntnis beschrieben, welche natürlichen Sehenswürdigkeiten der Wittener Diplom-Fotodesigner Stefan Ziese für jeden Monat fotografiert hat. Ergänzt wird dies durch Tipps und Informationen zum jeweiligen Thema.

Das Vermögensbarometer* der Sparkassen zeigt: Nur noch 38 Prozent der 20- bis 29-Jährigen in Deutschland planen, sich ein Eigenheim zuzulegen. 2010 waren es noch 52 Prozent. Ein deutlicher Rückgang. Doch woran liegt’s? Schrecken die hohen Preise ab? Oder tickt die junge Generation einfach anders und wohnt lieber zur Miete? Wir haben nachgefragt.  

Sechs junge Leute zwischen 23 und 36 Jahren haben uns verraten, wie sie aktuell wohnen, wie sie gern wohnen möchten und wie sie zum Thema Eigenheim stehen.

Franzi, 26, Junior Projektmanagerin – weiß noch nicht genau, wohin es sie verschlägt:

Ich bin in einem Bauernhaus groß geworden. Massig Platz, viel Feld drumherum, immer was zu tun an Garten, Haus und Hof.

Der große Hof wurde mit Beginn meines Studiums gegen mal mehr, mal weniger winzige Wohnungen eingetauscht. Aktuell lebe ich mit meinem Freund zusammen in München auf knapp 45 Quadratmetern. Wenig Platz – aber dafür reicht eine Steckdose fürs Staubsaugen der gesamten Wohnung.

Momentan würde mich die Entscheidung für eine eigene Immobilie überfordern – auch weil ich nicht sagen kann, wo ich in fünf Jahren leben will. In der Generation meiner Eltern wurde der Beruf oft nach dem Ort gewählt, in dem sich das eigene Leben abspielte. Heute kenne ich kaum Leute in meinem Alter, die über Schule, Studium und Beruf hinweg in der gleichen Stadt gelebt haben.

Irgendwann würde ich allerdings schon gern im eigenen Reich wohnen. Dann bleibt mehr Geld für andere Dinge außerhalb der Miete. Außerdem stelle ich mir Umzüge wegen Eigenbedarfskündigung, hohen Mieten oder anstrengenden Nachbarn mit 70 Jahren nicht mehr so spaßig vor.

Was, wann und wo? Keine Ahnung.

Regine, 36, freie Redakteurin – hat sich den Traum vom Eigenheim schon erfüllt:

Ein junges Paar vor seinem Eigenheim

Vor sechs Monaten haben mein Freund und ich einen alten Hof mit Wald und Wiese in Frankreich gekauft. Ich würde sagen, das ist so ziemlich unser Traumhaus und ich kann mir zum ersten Mal vorstellen, dort wo ich jetzt bin, wohnen zu bleiben. Hier habe ich ein Gefühl von Freiheit.

Trotzdem glaube ich nicht, dass eine eigene Immobilie pauschal immer eine Bereicherung ist. Wenn sie zu teuer ist, hat man einen Klotz am Bein. Denn man muss die monatlichen Finanzierungskosten ja sehr langfristig stemmen.

In der Bretagne sind die Immobilienpreise auf dem Land im Vergleich zu Deutschland eher gering, und wir mussten nur einen vergleichsweise kleinen Kredit aufnehmen. Dadurch haben wir jetzt geringere Festkosten, als wir sie als Mieter in einer Stadt hatten – und somit kaum finanziellen Druck.

Ob man sich eine eigene Immobilie kaufen sollte, hängt also aus meiner Sicht nicht in erster Linie vom Alter ab, sondern von der Gesamtsituation. Für mich ist ein Traumhaus kein Luxushaus, für das ich ein Leben lang hart arbeiten und ständig verzichten muss. Vielmehr soll es den finanziellen Druck mildern. Bei uns hat das geklappt.

Sebastian, 23, Student – ist nervös, weil er später mal Grundstück und Haus erbt:

Ursprünglich komme ich aus einem kleinen Dorf in Hessen und bin etwas verwöhnt, wenn es ums Wohnen geht. Unser Haus wurde von meinen Großeltern erbaut, und das Grundstück hätte wohl genügend Platz für noch zwei weitere Häuser.

Und dennoch: Würde ich jetzt wieder zurück in mein Elternhaus ziehen, wäre ich nicht glücklich. Durch meine Interessen und Hobbys habe ich mich zum Stadtmenschen entwickelt. Zudem fühle ich mich noch nicht bereit, die Verantwortung für ein Eigenheim zu übernehmen.

Zu wissen, dass jenes Grundstück irgendwann einmal mir gehören wird, macht mich nervös. Wenn ich mich einmal dafür entscheide, das Grundstück zu verkaufen, gebe ich vielleicht ein Stück meiner Familiengeschichte leichtfertig weg. Und ich ziehe den Hut davor, was meine Großeltern dort alles vollbracht haben. Sie haben sich den Traum vom eigenen Haus erfüllt, indem sie alles in Eigenregie aufgebaut haben. Mit ihren eigenen Händen.

Diese Art von Schöpfungsgeist imponiert mir. Ich bin etwas neidisch darauf. Denn auch wenn das Haus theoretisch mal mir gehören wird, werde ich es nur dann als mein eigenes ansehen können, wenn ich selbst etwas daran erschaffen habe.

Ein Eigenheim ist für mich nur spannend, wenn es kein fertiges Konstrukt ist. Es ist dieser Erschaffungsgedanke, der für mich den größten Reiz ausmacht. Ein Zuhause als Projekt, als sich permanent weiterentwickelnde Aufgabe, die nie final beendet werden kann und bei der ich ganz alleine bestimme, wie es weitergeht.

Mandy, 27, PR-Volontärin – sehnt sich nach mehr Freiheit:

Junge Frau vor einer Glaswand

Mit dem Berufseinstieg haben sich meine Prioritäten verändert. Während meines Studiums war Flexibilität mein größtes Gut. Ich konnte innerhalb weniger Wochen all meine Zelte abbrechen und für längere Zeit ins Ausland gehen – ohne Besitz ist man eben auch nicht gebunden.

Mit Ende 20 gibt mir die Studentenbude im Altbau weder das berauschende Gefühl des Neuanfangs noch der Geborgenheit, so wie früher mein Elternhaus. Doch genau das wünsche ich mir für die Zukunft.

Ein kleiner alter Bauernhof am Stadtrand von Berlin. Das ist mein Traum. Ob er sich je erfüllt, wird sich zeigen. Denn angesichts meines derzeit recht geringen Lohns und der steigenden Immobilienpreise kann ich schwer einschätzen, was ich mir in zehn Jahren leisten kann.

Momentan weiß ich noch nicht, ob ich bereit wäre, mich für eine Immobilie zu verschulden. Bislang habe ich mich auch noch nie mit der Finanzierung eines Eigenheims auseinandergesetzt, oder gar begonnen, darauf zu sparen. Ich kann es mir jedoch immer besser vorstellen.

Denn eine Immobilie ist in jedem Fall eine tolle Altersvorsorge. Aber noch viel wichtiger ist mir die Freiheit, mein Zuhause so zu gestalten, wie ich es möchte, und dort zu tun und zu lassen, was ich möchte. Etwas, das mir in meiner Mietwohnung sehr fehlt und wofür ich durchaus bereit wäre, die Verantwortung auf mich zu nehmen.

Tobias, 24 Jahre, Azubi – genießt die Flexibilität einer Mietwohnung:

Schwarz-Weiß-Porträt von einem jungen Mann

Aktuell wohne ich in einer Mietwohnung in einer Großstadt. Das entspricht – in meiner jetzigen Lebenssituation – genau meiner Wunschvorstellung. Allerdings weiß ich, dass ich nicht mein ganzes Leben so verbringen möchte.

In ferner Zukunft erfülle ich mir meinen Traum und kaufe ein großes Anwesen in einer ländlichen Umgebung. Das wird allerdings nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre passieren. In Moment will ich mich an keinen bestimmten Ort binden und ich ziehe die Freiheit, jederzeit meinen Wohnort wechseln zu können, einem Eigenheim vor.

Eine eigene Immobilie ergibt für mich erst Sinn, wenn ich mehr von der Zukunft kenne. Ziehe ich mit meiner zukünftigen Familie in das Haus? Kommen Freunde dazu oder gründe ich eine große WG? Das Anwesen sollte auf keinen Fall leer stehen, denn dafür lohnt sich der Aufwand nicht.

Über die Finanzierung habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das liegt noch zu weit in der Ferne, um Platz in meinem Kopf zu finden. Es kann natürlich sein, dass ich in drei Jahren anfange, mich zu informieren und merke, dass die Art von Selbstverwirklichung gar nicht so schwer ist. Zurzeit stelle ich mir das ganz schön kompliziert vor!

Jessica, 30, Wirtschaftsjuristin – will später lieber kaufen statt bauen:

Porträt einer jungen Frau

Momentan wohne ich zur Miete und bin mit meiner Wohnsituation sehr zufrieden, da ich sehr zentral wohne.

Wenn ich irgendwann Eigentum erwerbe, dann kommt für mich am ehesten der Kauf einer Immobilie infrage. Ein Haus zu bauen, kann ich mir nicht vorstellen. Ich hätte keine Freude daran. Aber auch beim Gedanken, in einer Reihenhaussiedlung zu wohnen, bekomme ich Schnappatmung.

Der Vorteil einer Immobilie ist für mich ganz klar: die Vorsorge fürs Alter. Allerdings ist für die Finanzierung einer Immobilie Startkapital nötig. Und das lässt sich nicht von heute auf morgen ansparen.

Zurzeit will ich mir eine Immobilie nicht leisten und spare auch noch nicht gezielt darauf hin. Aufgrund der riesigen Investition bin ich mir einfach noch nicht sicher. Für die Zukunft schließe ich das aber keinesfalls aus.

Annika, 27, Vermessungstechnikerin – träumt von einem Mehrgenerationenhaus:

Zurzeit wohne ich in einer Kleinstadt in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon. Groß geworden bin ich in einer Eigentumswohnung. Wir hatten zwei Etagen und 100 m² – für vier Leute vollkommen ausreichend. Allerdings hatten wir leider weder eine Terrasse noch einen Garten.

In ein paar Jahren würde ich gern ein Grundstück mit einem Doppelhaus besitzen – inklusive Garten und Pool. Momentan kommt das noch nicht infrage, weil ich zurzeit lieber verreise und mich finanziell noch nicht so stark verpflichten will. Aber wenn ich mal meine eigene kleine Familie habe, wäre die Zeit reif dafür.

Ich finde das Konzept eines Mehrgenerationenhauses gut. Schließlich bringt ein Eigenheim auch viel Arbeit mit sich, wenn man es vernünftig in Schuss halten will. Und wenn man mit mehreren Leuten zusammenwohnt, kann man sich den Aufwand teilen.

Fazit

Junge Leute träumen also sehr wohl von der eigenen Immobilie. Doch nicht immer gehen sie ihren Traum sofort an. Und wenn es später doch einmal so weit ist – wir beraten und helfen gern.

* Das Vermögensbarometer ist eine Studie, die jedes Jahr im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes durchgeführt wird. Für die aktuelle Ausgabe wurden im Frühsommer 2017 insgesamt 2.884 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland zu ihrem Verhältnis zu Geld, ihren Finanzen und Anlagegewohnheiten befragt.

 

Quelle: Sparkassen-Finanzportal