Mit unserem Sparkassenkalender 2018 mit dem Titel „Witten. Natürlich.“ laden wir Sie – Monat für Monat – ein, die natürlichen Seiten unserer Heimatstadt zu entdecken. Und davon gibt es einige! Schauen Sie doch einfach selbst.

April: Die Wiese lebt – das Wittener Muttental

In der sanft hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft des Muttentals sagen sich noch Fuchs und Hase gute Nacht. Hier spähen über offenen Feld- und Wiesenflächen Mäusebussard, Turmfalke, Rotmilan und Uhu nach Beute. Im Frühjahr sind Hummeln, Zitronenfalter und Co. zwischen Löwenzahn und Wiesenschaumkraut auf der Suche nach frischem Blütennektar. Auch Fledermäuse erwachen aus ihrem Winterschlaf und machen in der Dämmerung hungrig Jagd auf Insekten. Frische Gräser und Wildkräuter sprießen dort, wo einst nach Kohle gegraben wurde. Es ist kaum vorstellbar, dass hier in der Wiege des Ruhrbergbaus, wo die Flöze an der Erdoberfläche ausstreichen, mehr als 60 Kleinzechen in Betrieb waren. Die Relikte der industriellen Tätigkeit können Besucher auf dem bergbauhistorischen Wanderweg durch das Muttental entdecken. Längst hat die Natur die Bergbauregion südlich der Ruhr zurückerobert: Wälder, Wiesen und Felder prägen das heutige Landschaftsbild. Die landwirtschaftlichen Flächen sind zum Großteil verpachtet und werden extensiv genutzt. Landwirtschaft mit Viehhaltung findet nur noch vereinzelt statt.

Auf den zum Teil feuchten Wiesen rechts und links des Muttenbachs hat sich eine vielfältige Vegetation entwickelt, die zahlreichen Tieren Nahrung und Versteck bietet. Dort fühlt sich auch das zugewanderte Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) wohl, das sich übermäßig stark ausbreitet und andere Pflanzenarten verdrängt. Die wegen ihrer hübschen pinkfarbenen Blüte auch als Emscherorchidee bezeichnete Pflanze schleudert ihre Samen bei Berührung der Samenkapsel meterweit fort und lässt jedes Jahr viele neue Exemplare gedeihen. Die Bienen freuen sich über die späte Blütentracht im August. Wiesen und Weiden sind Lebensräume, die seit Jahrtausenden durch den Menschen geschaffen und erhalten werden.

Eine Wiese entsteht durch Mähen, zum Beispiel zur Erzeugung von Heu, eine Weide durch das Grasen von Tieren. Ohne regelmäßige Mahd oder Beweidung einer Fläche würde es schnell zur Verbuschung und anschließenden Waldentstehung kommen. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass ganz Mitteleuropa vor dem Einwirken des Menschen eine reine Waldlandschaft war. Erst durch Rodung während geschichtlicher Besiedlungs- und Kulturphasen wurde Wald in Grünland, Acker- oder Siedlungsland umgewandelt. In unserer heutigen Kulturlandschaft gibt es verschiedene Wiesentypen wie Blumen-, Feucht- oder Fettwiesen, Streuobstwiesen oder auch Mager- und Trockenrasen. Jeder Wiesentyp bietet anderen Tier- und Pflanzenbewohnern einen speziellen Lebensraum.

Feldhase (Lepus europaeus)
Der Feldhase gilt als Symbol für Frühling und Fruchtbarkeit. Doch seit den 1960er-Jahren nimmt sein Bestand vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft stark ab. Insbesondere der massive Einsatz von Dünger und Pestiziden, der intensive Maschineneinsatz sowie fehlende Saum- und Krautfluren machen dem Feld- und Wiesenbewohner zu schaffen. Feldhasen legen im Gegensatz zu Kaninchen keine Baue an, sondern liegen tagsüber meist regungslos und gut getarnt zwischen Grasbüscheln in einer Mulde (Sasse). Hier wachsen auch die Jungtiere auf. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind Vegetarier und fressen gerne Gras und Wiesenkräuter. Mit ihren langen Ohren (Löffeln) können sie sehr gut hören. Bei Gefahr schlagen sie
„Haken“, laufen bis zu 80 Stundenkilometer schnell und springen bis zu sieben Meter weit. Im Frühjahr während der Paarungszeit versammeln sich mehrere Männchen und Weibchen auf Wiesen und Feldern, um einen Partner zu suchen. Feldhasen können bis zu zwölf Jahre alt werden.

Tipp
Zur aktiven Unterstützung bei der Wiesenmahd lädt die Naturschutzgruppe Witten (NaWit) Erwachsene und Kinder jeweils am ersten Samstag im Juli, August und September ein. Um dem Boden überflüssige Nährstoffe zu entziehen, Pflanzen neue Wachstumsbedingungen zu ermöglichen und die Artenvielfalt zu fördern, führt die NaWit ehrenamtlich diese Pflegearbeiten auf den von ihr betreuten Flächen durch. Dabei werden die Wiesen mit einem Balkenmäher von Hand gemäht und das Mähgut wird zusammengeharkt. (www.nawit.de)

Ostereier mit Wiesenkräutern und Zwiebelschalen natürlich gestalten
Die Eier mit Essigwasser waschen (dadurch soll die Farbe besser haften). Zwiebelschalen in einen Topf geben, Wasser hinzufügen, aufkochen und mit geschlossenem Deckel ziehen lassen. Ein paar filigrane Kräuter von der Wiese holen, auf die Eier legen, mit einem Stück Nylonstrumpf umspannen und an der gegenüberliegenden Seite des Naturmotivs mit Garn fest zuschnüren. Die eingepackten Eier in den kochenden Zwiebelschalensud geben und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Wenn die Eier eine schöne rotbraune Farbe angenommen haben, herausnehmen, abschrecken und in ihrer Nylonschicht trocknen lassen. Den Nylonstoff vorsichtig aufschneiden und vom Ei ziehen.

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