Mit unserem Sparkassenkalender 2018 mit dem Titel „Witten. Natürlich.“ laden wir Sie – Monat für Monat – ein, die natürlichen Seiten unserer Heimatstadt zu entdecken. Und davon gibt es einige! Schauen Sie doch einfach selbst.

März: Zeitzeugen der Natur – der Steinbruch Rauen

Im Erdzeitalter des Karbons, vor rund 300 Millionen Jahren, bedeckte ein tropisches Meer das Land an der Ruhr. Damals wurden feiner Tonstein, grobkörniger Schluffstein und Sandstein abgelagert. Auch Kohlenflöze, die sich aus pflanzlichen Ablagerungen gebildet haben, sowie Muschelabdrücke und Wurzelreste findet man in den tonigen Schichten. Sie weisen auf Ablagerungen durch Süßwasser hin. Der Rückgang des Meeres, das Abtragen von weichen Gesteinen durch Wind und Wasser und die Gebirgsfaltung haben die heutige Schichtlagerung entstehen lassen. Deutlich sind an der Felswand im Steinbruch Rauen die in Nordost-Südwest-Richtung schräggestellten Schichtfolgen aus Sandstein, Steinkohlenflözen und Tonstein bzw. Tonschiefer zu erkennen.

Durch den Steinbruchbetrieb am Wartenberg (Ecke Kohlensiepen/Wetterstraße) bis Mitte der 1960er-Jahre ist einer der bedeutendsten geologischen Aufschlüsse seiner Art im Ruhrgebiet freigelegt worden. Hier sind die Gesteinsschichten deutlich sichtbar und machen die erdzeitliche Entwicklung hautnah erlebbar. Neben einer Vielzahl geologischer Besonderheiten weist das 200 Meter mächtige Gesteinspaket auch Relikte des Steinkohlenbergbaus auf. In der Felswand gibt es zahlreiche Fossilien, beispielsweise die versteinerten Abdrücke von Wurzeln und Ästen urzeitlicher Pflanzen wie Baumfarne und Schachtelhalme, sowie Schichten ganzer Muschelbänke zu entdecken.

Seit 2006 ist der Steinbruch Rauen im Ardeygebirge Teil des Geoparks Ruhrgebiet und als Naturdenkmal geschützt. Nach dem Abbau, vor allem von Sandstein, diente das Gelände als Deponie für Bauschutt und schwermetallhaltige Hüttenschlacke vom benachbarten Edelstahlwerk. Nach aufwendiger Sanierung der vielgestaltigen Fläche ist der Zutritt zunächst nur bei Führungen erlaubt.

Während sich die urzeitliche Flora und Fauna des Standorts in zahlreichen Fossilien widerspiegelt, können im Steinbruch die heute hier vorkommenden Tiere und Pflanzen lebendig in ihrem nahezu ungestörten Lebensraum be obachtet werden. Felsbrütende Vogelarten wie der Uhu, wärmeliebende Reptilien wie Blindschleiche und Ringelnatter, Fledermäuse, zahlreiche Insekten und verschiedene Pflanzengesellschaften finden an diesem erdzeitlich historischen Ort geeignete Lebensbedingungen.

Fossilien
Das Wort Fossil entstammt dem lateinischen „fossilis“ − ausgegraben. Dieser Begriff bezieht sich im Allgemeinen auf die erhaltenen Spuren oder Überreste früherer Lebewesen, zum Beispiel in Form versteinerter Abdrücke von Pflanzenresten oder Schalen und Knochen von Tieren. Die meisten Fossilien findet man in Gesteinen, die früher einmal vom Wasser bedeckt waren.

In der Steinkohlenzeit, dem Karbon (vor 350 bis 285 Millionen Jahren), befand sich im Gebiet des heutigen Ruhrtals ein flaches Schwemmland mit artenreichen Sumpfmoorwäldern aus Schuppen- und Siegelbäumen, Baumfarnen und Riesenschachtelhalmen. Sie haben wesentlich zur Bildung der Steinkohlenwälder beigetragen. Einen Großteil der Sumpfwälder bildeten die Siegelbäume. Diese längst ausgestorbenen und baumförmig wachsenden Bärlapppflanzen waren über 30 Meter hoch. Sie besaßen bandförmige Blätter und siegelartige Blattpolster auf dem Stamm, die deutlich in fossilen Abdrücken erkennbar sind.

 

 

Tipp
Im Foyer des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall können Besucher die Ausstellung des Informationszentrums Geopark Ruhrgebiet besuchen. Hier sind auch Versteinerungen von urzeitlichen Bäumen aus dem Karbon zu besichtigen.

Fossiler Gipsabdruck eines Schachtelhalms

Der Ackerschachtelhalm zählt zu den heute noch lebenden Fossilien. In Verbindung mit Gips können wir den Abdruck eines 300 Millionen Jahre alten Ur-Schachtelhalms nachbilden.

Material: Ackerschachtelhalm, Gips, Wasser, Schuhkartondeckel, Holzstäbchen, eventuell Wasser- oder mineralische Farbe, Pinsel, Olivenöl. Gips mit Wasser nach Packungsangabe anmischen und in den Schuhkartondeckel füllen. Einen Ackerschachtelhalm in das noch weiche Material legen. Mithilfe des Holzstäbchens flach eindrücken und den Schachtelhalm zusammen mit dem Gips trocknen lassen. Die Gipsplatte dunkel anmalen und dem getrockneten Schachtelhalm mit Olivenöl Glanz verleihen.

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